Weiterleitungen nach dem Relaunch: welche Art Google wie wertet
Bei drei der fünf Statuscodes bleibt die alte Adresse maßgeblich. Welche Weiterleitung nach dem Relaunch richtig ist und wann 404 die bessere Antwort ist.


Der Relaunch ist live, die alten Adressen leiten auf die neuen um, und die Rankings fallen trotzdem.
Google wertet fünf Statuscodes und vier weitere Verfahren als Weiterleitung, und sie sagen nicht dasselbe.
Bei dreien der fünf Statuscodes bleibt für Google in der Regel die alte Adresse die maßgebliche, obwohl die Weiterleitung technisch einwandfrei funktioniert.
Eine Weiterleitung (im Fachjargon „Redirect") ist die Anweisung, dass eine Seite jetzt woanders liegt. Umgesetzt wird sie je nach Aufbau in der Serverkonfiguration, im Content-Management-System oder in der Seite selbst. Fachlich ist sie immer dieselbe Aussage: welche von zwei Adressen künftig die gültige sein soll.
Was Google aus einer Weiterleitung schließt
Der Unterschied zwischen dauerhaft und vorübergehend entscheidet, welche Adresse im Suchergebnis steht.
Bei einer dauerhaften Weiterleitung nimmt Googlebot die Umleitung als Signal, dass das Ziel künftig die maßgebliche Adresse ist (die „kanonische"). Bei einer vorübergehenden folgt Googlebot ebenfalls, wertet sie aber nicht als dieses Signal. Die Ausgangsseite bleibt die gültige.
Daraus folgt der häufigste stille Fehler eines Relaunchs: Eine vorübergehende Weiterleitung sieht für Besucher genauso aus wie eine dauerhafte. Sie landen auf der richtigen Seite, niemandem fällt etwas auf, und Google behandelt die alte Adresse weiter als die gültige.
Die gute Nachricht: Dauerhafte Weiterleitungen führen nach Googles Angabe nicht zu einem Verlust an PageRank. Die Sorge, Rankings würden „beim Umziehen" grundsätzlich verfallen, trifft also nicht zu. Dass Positionen während eines Umzugs eine Zeit lang schwanken, ist davon unberührt und normal.
Die neun Verfahren im Überblick
Zwei Verfahren gelten Google als dauerhaft, drei als vorübergehend, vier weitere liest Google je nach Umsetzung. Die Einordnung stammt aus Googles Dokumentation zu Weiterleitungen, die Reihenfolge folgt der Zuverlässigkeit.
- 301 serverseitig: dauerhaft, Standardfall für Relaunch und Domainumzug
- 308 serverseitig: dauerhaft, wie 301, erhält die Anfrageart
- 302 serverseitig: vorübergehend, echte Übergänge, etwa ein zeitweise auf eine Ersatzseite geführtes Angebot
- 303 serverseitig: vorübergehend, nach einem Formularversand
- 307 serverseitig: vorübergehend, wie 302, erhält die Anfrageart
- meta refresh im Seitenkopf: 0 Sekunden dauerhaft, jeder höhere Wert vorübergehend, nur wenn serverseitig nichts möglich ist
- HTTP-Header Refresh: wie meta refresh, dito
- JavaScript location: dauerhaft, letzte Wahl, siehe unten
- Hinweistext mit Link auf die neue Seite: dauerhaft, aber ohne Verlass, nur wenn gar nichts anderes geht
Zu den Nummernpaaren: 307 und 308 geben die Art der Anfrage unverändert weiter, sonst sind sie gleichwertig zu 302 und 301. Wichtiger als die Nummer ist Googles Bedingung: Eine dauerhafte Weiterleitung setzt man, wenn man sicher ist, dass sie nicht zurückgenommen wird. Browser merken sich 301 hartnäckig.
Zu meta refresh und JavaScript. Bei meta refresh hängt die Wertung an einer Ziffer: null Sekunden liest Google als dauerhaft, jeder höhere Wert als vorübergehend. „Sie werden in 5 Sekunden weitergeleitet" gibt damit das falsche Signal. Bei JavaScript muss Google die Seite erst ausführen, und dieser Schritt kann scheitern.
Drei Fehler, die nach einem Relaunch Sichtbarkeit kosten
Alles auf die Startseite
Der naheliegende Griff bei einer langen Liste alter Adressen: alles auf die Startseite, dann läuft wenigstens niemand in eine Fehlerseite.
Google warnt davor ausdrücklich. Viele alte Adressen auf ein inhaltlich unpassendes Ziel umzuleiten verwirrt Besucher und kann als Soft 404 behandelt werden: Die Seite meldet technisch „alles in Ordnung", liefert inhaltlich aber keine Entsprechung. Die Weiterleitung ist gesetzt und zählt trotzdem nicht.
Ein alter Beitrag, der auf die thematisch passende neue Übersichtsseite zeigt, ist ein Umzug. Dieselbe Umleitung auf die Startseite ist eine Entsorgung.
Praktisch gilt eine Reihenfolge: Echte Eins-zu-eins-Entsprechung bekommt den konkreten Zielpfad, nicht die Übersicht. Sonst die passende Rubrik. Gibt es keinen sinnvollen Ersatz, ist die Fehlerseite die richtige Antwort.
Weiterleitungsketten
Eine Kette entsteht, wenn eine Weiterleitung auf eine Adresse zeigt, die selbst weiterleitet. Für Besucher zwei Ladevorgänge statt einem, für Crawler zwei Anfragen statt einer.
Googlebot folgt nach eigener Angabe bis zu zehn Stationen, empfiehlt aber ausdrücklich das direkte Endziel. Wird darin kein Inhalt ausgeliefert, kann Googlebot das Ziel nicht abrufen, und die Search Console meldet unter Umständen einen Weiterleitungsfehler.
Ketten entstehen selten absichtlich, sondern weil eine Website schon Weiterleitungen mitbringt, an die niemand mehr denkt: http auf https, www auf die Variante ohne www, die Normalisierung des Schrägstrichs. Jede ist einzeln richtig. Zeigt eine neue Weiterleitung auf ein Ziel, das eine davon auslöst, hängt die Kette dran.
Deshalb gehört zu jeder Weiterleitungsliste eine Prüfung der Ziele. Dasselbe gilt im eigenen Haus: Interne Links, Navigation und Sitemap gehören direkt auf die neuen Adressen, sonst läuft die eigene Website über ihre eigenen Weiterleitungen.
Eine Stelle wird dabei fast immer vergessen, und sie kostet sofort Geld: die Zieladressen in laufenden Suchanzeigen. Anzeigen laufen nach einem Relaunch weiter, und jeder Klick geht entweder über einen Umweg oder in eine Fehlerseite, bezahlt wird er trotzdem. Die Zieladressen gehören am Umzugstag auf die neue Struktur, nicht in der Woche danach. Wer Google Ads sauber aussteuert, prüft sie als Teil des Umzugs.
Die Weiterleitung, die nie aktiv wurde
Der dritte Fehler ist der ärgerlichste, weil die Arbeit schon getan ist. Die Regeln sind eingetragen, die Liste abgehakt, und die alten Adressen antworten weiter mit einer Fehlerseite. Meist steckt ein Zwischenspeicher dahinter oder eine zu breit gefasste Regel, die die spezifischere abfängt.
Dazu eine Reihenfolgefalle, wo Regeln manuell sortiert werden: Steht /leistungen/ vor /leistungen/beratung/, greift die erste und verschluckt die zweite. Die spezifischere gehört nach oben.
Deshalb ist eine Weiterleitung erst fertig, wenn sie nachgemessen wurde.
Wann 404 die richtige Antwort ist
Nicht jede alte Adresse gehört umgeleitet. Bei einem Relaunch fallen Leistungen, Produkte oder Standorte weg, die es wirklich nicht mehr gibt. Eine Weiterleitung auf ein halbwegs verwandtes Ziel erzeugt dann die Soft-404-Lage von oben.
Für solche Adressen ist 404 korrekt, und wenn der Wegfall endgültig ist, sagt 410 dasselbe deutlicher. Beides ist aus Suchmaschinensicht ein sauberer Zustand.
Der Unterschied liegt in der Absicht. Eine Fehlerseite, die niemand gewollt hat, kostet Sichtbarkeit. Eine, die nach einer Prüfung bewusst stehen bleibt, kostet nichts.
Wie lange das dauert
Eine Weiterleitung wirkt erst, wenn Google die alte Adresse erneut abruft. Das passiert von selbst, aber nicht auf Zuruf.
Googles Empfehlung zur Haltedauer ist deutlich: so lange wie möglich stehen lassen, in der Regel mindestens ein Jahr. So steht es in Googles Leitfaden für Website-Umzüge, aus dem auch die Zehn-Stationen-Grenze und die Startseiten-Warnung stammen. Das Jahr ist eine Mindestdauer, keine Frist. Adressen mit fremden Links bleiben dauerhaft bestehen.
Anstoßen lässt sich der Vorgang in der Search Console: die wichtigsten alten Adressen zur erneuten Prüfung anmelden, die neue Sitemap einreichen. Schnelle Verarbeitung ist damit nicht zugesagt.
Und eine Beobachtung, die regelmäßig für Unruhe sorgt: Auch nach einer korrekt gesetzten dauerhaften Weiterleitung kann Google weiter die alte Adresse zeigen. Google führt beide und behandelt die nicht maßgebliche als „alternativen Namen" der gültigen, der bei passenden Suchanfragen erscheinen darf.
Und was machen KI-Systeme damit?
Für Googles KI-Funktionen braucht es keinen eigenen Arbeitsschritt. Bei den Systemen anderer Anbieter ist nur die Crawler-Steuerung dokumentiert, nicht der Umgang mit Weiterleitungen. Wie Sichtbarkeit in KI-Antworten insgesamt entsteht, ist eine eigene Frage.
Belegt für Googles KI-Funktionen. Google schreibt zu AI Overviews und AI Mode, es gebe keine zusätzlichen Anforderungen und keine besonderen Optimierungen, um dort zu erscheinen; die SEO-Grundlagen gelten unverändert. Für Weiterleitungen heißt das: keine zweite Baustelle. Eine falsch ausgezeichnete Weiterleitung schadet der KI-Antwort über denselben Weg wie dem Suchergebnis.
Belegt für die Crawler der übrigen Anbieter. OpenAI betreibt drei getrennte Zugriffe: GPTBot für das Training, OAI-SearchBot für die Suche in ChatGPT, ChatGPT-User für Abrufe aus einem Gespräch heraus. Anthropic trennt entsprechend ClaudeBot von Claude-SearchBot. Alle lassen sich in der robots.txt einzeln ansprechen.
Hier liegen die meisten Checklisten falsch. Wer den Trainingszugriff sperrt, verschwindet damit nicht aus den Antworten, denn für die Auffindbarkeit ist der Suchzugriff zuständig. Umgekehrt nützt dessen Freigabe nichts, wenn der Suchzugriff gesperrt ist. Die eigene robots.txt gehört Kennung für Kennung geprüft. Und eine gesperrte Kennung heißt nicht, dass eine Marke gar nicht vorkommt: Erwähnungen können aus älterem Trainingsmaterial stammen.
Nicht dokumentiert, und deshalb Arbeitsannahme. Keiner dieser Anbieter veröffentlicht, wie seine Abrufprogramme mit Weiterleitungen umgehen. Die Zahlen, die kursieren, stammen aus Beobachtungen einzelner Websites. Die Konsequenz ist ohnehin dieselbe wie bei Google: eine Station, Ziel antwortet direkt.
Ein Punkt hängt konkret an Weiterleitungen. Wer Profile über das Feld sameAs in den strukturierten Daten mit der Website verknüpft, trägt dort Adressen ein. Zeigen sie nach einem Relaunch auf alte Pfade, beschreiben sie die Marke mit Angaben, die es nicht mehr gibt. Dasselbe gilt für Branchenverzeichnisse und soziale Profile.
Der Selbsttest
Vier Schritte als Kurzcheck, zwei im Browser und zwei in der Search Console. Ein vollständiges Abnahmeprotokoll ist das nicht, es findet aber die teuersten Fälle.
- Die wichtigsten alten Adressen aufschreiben. Startseite, Über uns, Kontakt und die drei meistbesuchten Inhaltsseiten der Vorgängerversion. Alte Visitenkarten, Prospekte und fremde Links sind gute Quellen.
- Jede im Browser aufrufen. Landet man auf der passenden neuen Seite, auf der Startseite oder auf einer Fehlerseite? Nur der erste Fall ist in Ordnung.
- Search Console, Indexierung, Seiten, Eintrag „Nicht gefunden (404)". Googles eigene, längere Liste. Wer die Search Console noch nicht eingerichtet hat, findet den Weg unter Analytics und Tracking.
- Für die drei wichtigsten Adressen die URL-Prüfung aufrufen. Dort steht, ob Google eine Weiterleitung sieht und welche Adresse als maßgeblich geführt wird.
Für den Statuscode selbst gibt es kostenlose Prüfseiten im Netz, meist unter „HTTP Status Checker". Erwartet wird 301 oder 308 plus Ziel-Adresse. 404 heißt, die Regel fehlt. 302 heißt, sie ist als vorübergehend ausgezeichnet. Zeigt ein 301 nur auf die Variante mit oder ohne Schrägstrich, ist es die Normalisierung der eigenen Website und keine Umzugsregel.
Häufige Fragen
Verliert eine Seite durch eine 301-Weiterleitung ihre Rankings? Dauerhafte Weiterleitungen führen nach Googles Angabe nicht zu einem Verlust an PageRank. Dass Positionen während eines Umzugs schwanken, ist normal.
Wie lange müssen Weiterleitungen bestehen bleiben? So lange wie möglich, nach Googles Empfehlung mindestens ein Jahr. Adressen, auf die fremde Websites verlinken, bleiben dauerhaft bestehen.
Was ist der Unterschied zwischen 301 und 302? 301 bedeutet dauerhaft, die neue Adresse wird zur maßgeblichen. 302 bedeutet vorübergehend, die Ausgangsseite bleibt die gültige. Für einen Relaunch ist 301 richtig, sofern die Umstellung nicht zurückgenommen wird.
Darf man alte Adressen auf die Startseite umleiten? Google rät davon ab, das kann als Soft 404 behandelt werden. Das thematisch nächstliegende Ziel ist die bessere Wahl, und wo es keines gibt, ist eine Fehlerseite korrekt.
Sind Weiterleitungen ein Thema für die Sichtbarkeit in KI-Antworten? Für Googles KI-Funktionen gelten laut Google keine zusätzlichen Anforderungen, es bleibt bei den SEO-Grundlagen. Bei den Systemen anderer Anbieter ist nur dokumentiert, dass ihre Zugriffe über robots.txt gesteuert werden, nicht wie sie Weiterleitungen auswerten. Diese Arbeit läuft unter dem Begriff GEO, Generative Engine Optimization.
Die Reihenfolge, wenn die Zeit knapp ist
Nach einem Relaunch konkurrieren zwei Arbeitspakete: Weiterleitungen und neue Inhalte samt Metadaten. Nur eines verfällt mit jeder Woche. Weiterleitungen halten Sichtbarkeit, die gerade abfließt. Metadaten bauen auf, was noch nicht existiert. Verfall hat Vorrang.
Innerhalb der Weiterleitungsarbeit entscheiden drei Listen aus der Search Console. Unter Indexierung, Seiten steht, welche Adressen mit einer Fehlerseite antworten. Unter Leistung, Seiten steht, wie oft eine Adresse noch in den Suchergebnissen erscheint. Unter Links stehen die Adressen, auf die fremde Websites zeigen.
Die dritte Liste wird am häufigsten übersehen. Alte Adressen mit fremden Verweisen bringen oft kaum Besucher und wiegen trotzdem viel, weil Links von außen die Autorität einer Domain mittragen. Läuft so einer in eine Fehlerseite, verfällt dieser Anteil, ohne in den Besucherzahlen aufzufallen.
haimle online marketing stellt die drei Listen in jedem Relaunch gegeneinander. haimle online marketing ist eine Agentur für SEO, generative Sichtbarkeit und Webanalyse aus Grevenbroich und begleitet Relaunches auf der technischen Seite.
Google Search Central, Redirects and Google Search und Site Moves with URL Changes, beide abgerufen am 11. Oktober 2026. Die Angaben zu den Crawlern stammen aus der Dokumentation von OpenAI und Anthropic.
Ahmed Elmi
Ahmed Elmi ist Unternehmer und Experte für Performance Marketing und KI-gestützte Digitalisierung.
Als Gründer & Geschäftsführer der Boutique-Agentur haimle und langjähriger Digitalisierungsmanager am Köln Bonn Airport hat er die strategische Webanalyse sowie zahlreiche datengetriebene Kampagnen, digitale Projekte und KI-Anwendungen im Mobilitäts- und Unternehmensumfeld erfolgreich umgesetzt.
Seit 2022 teilt er sein Wissen zu künstlicher Intelligenz, Suchmaschinenmarketing und datengetriebenen Entscheidungen als Dozent für Kammern und Akademien sowie als Speaker auf Fachveranstaltungen.
In seinen Seminaren verbindet er strategische Marketing-Expertise mit praxisnahen Live-Demos – von Google Ads und Analytics bis hin zu KI-Workflows, die Teams direkt in ihrem Alltag nutzen können. So macht er Unternehmen, Mittelstand und öffentlichen Sektor messbar erfolgreich und zukunftssicher im digitalen Wandel.
